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Transkript: Aus dem Bild des Lebens wird ein Ressourcenfokus

Nach einem Seminar in Österreich führte ich eine Ressourcensitzung mit einer Kursteilnehmerin durch, die eine sehr herausfordernde Lebensgeschichte hinter sich hatte. Was als geplante Demonstration einer neuen Technik begann, wurde zu einer wichtigen Lektion über therapeutische Flexibilität.

Die ursprüngliche Planung

Ich wollte die Technik des "Bildes der Heilung" vorstellen - eine visuell orientierte Methode, bei der Patienten sich ein heilendes, stärkendes Bild vorstellen und dieses mit positiven Emotionen verknüpfen.

Was tatsächlich geschah

Die Klientin hatte erhebliche Schwierigkeiten mit visueller Imagination. Das "Bild der Heilung" wollte einfach nicht entstehen.

Hier musste ich eine Entscheidung treffen:

  • An der Technik festhalten und riskieren, dass die Klientin sich unzulänglich fühlt?
  • Oder flexibel sein und die Intervention an ihre Fähigkeiten anpassen?

Die Anpassung: Urlaubserinnerung als Ressource

Statt eines imaginären Bildes nutzte ich eine echte Erinnerung - einen Strand in Griechenland, an dem die Klientin einmal entspannte Tage verbracht hatte.

Technische Elemente der adaptierten Intervention:

  1. Emotionsobjektivierung: Die Gefühle wurden als Farben dargestellt:
  • Türkis für Ruhe und Frieden (wie das Meer)
  • Gelb für Wärme und Lebensfreude (wie die Sonne)
  1. Körperweite Ausbreitung: Diese positiven Emotionen/Farben wurden systematisch durch den ganzen Körper geleitet, sodass die Ressourcen physisch spürbar wurden.
  1. Verankerung: Die Verbindung zwischen der Urlaubserinnerung und dem positiven Körpergefühl wurde gestärkt, sodass die Klientin diese Ressource im Alltag abrufen kann.

Die zentrale Erkenntnis: Flexibilität vor Technik

"Der Patient ist wichtiger als die Technik."

Es ist nicht entscheidend, ob wir eine Intervention exakt so durchführen, wie sie im Lehrbuch steht. Entscheidend ist:

  • Den Patienten dort abholen, wo er steht
  • Seine individuellen Fähigkeiten und Ressourcen nutzen
  • Die Intervention situativ anpassen
  • Das therapeutische Ziel nicht aus den Augen verlieren

Praktische Tipps für flexible Interventionen

1. Beobachten Sie die Reaktionen

Wenn eine Technik nicht "funktioniert", ist das kein Versagen - es ist Information. Nutzen Sie diese Information!

2. Fragen Sie nach

"Was wäre für Sie hilfreich?" oder "Gibt es eine Erinnerung, die Ihnen ein gutes Gefühl gibt?" können therapeutische Wendepunkte sein.

3. Vertrauen Sie dem Prozess

Manchmal entwickeln sich die besten Interventionen spontan im therapeutischen Dialog.

4. Technik als Werkzeug, nicht als Vorschrift

Techniken sind Angebote, keine Befehle. Wenn ein Werkzeug nicht passt, nehmen Sie ein anderes.

Fazit

Diese Sitzung erinnert mich daran, dass wir keine Technikvollstrecker sind, sondern Therapeuten. Unser Werkzeugkasten ist da, um den Patienten zu dienen - nicht umgekehrt.

Die erfolgreichste Intervention ist nicht die am perfektesten durchgeführte, sondern die, die beim individuellen Patienten wirkt.


Hinweis: Das vollständige Transkript mit allen therapeutischen Details ist in unseren Seminaren verfügbar.

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